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'Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort.
Und die Welt hebt an zu singen,
triffst Du nur das Zauberwort.'
Joseph von Eichendorff


Diese Worte üben auf mich immer wieder einen ganz besonderen Zauber aus.
Magische, verheißungsvolle Worte.
Begeben wir uns auf die Suche nach dem 'Zauberwort', erschließt sich uns die Schönheit in der Welt und inspiriert uns zu eigenem Schaffen.


Donnerstag, 14. März 2013

Spieglein, Spieglein ...

... was hast Du alles schon gesehen?! Dieses gute alte Stück ist mit Sicherheit mein ältester Wegbegleiter.
Es ist die Frisierkommode meiner Mutter. 
Meine Eltern haben 1954 geheiratet und zu diesem Anlaß hielt sie damals Einzug in den neuen Hausstand meiner Eltern. Ich erinnere mich genau daran, wo sie stand.

Die Kommode bereiste sogar viele Jahre die Binnengewässer von ganz Deutschland, der Niederlande, Belgien und sogar der Schweiz. Klingt komisch - aber hier bin ich groß geworden: auf einem Binnenschiff. 
Meine Eltern waren Schiffer und ich habe sehr viel Zeit vor allem im Ruderhaus verbracht.  Aus dieser Zeit sind meine schönsten Kindheitserinnerungen - ich habe dieses Leben geliebt.
Noch heute sehe ich meine wunderschöne Mutter, wie sie sich vor diesem Spiegel herrichtete, wie sie sich frisierte und genau so hat sie in diesem Spiegel beim Nähen ihre Anproben begutachtet .

 
Als ich dann älter war, habe ich mich ebenfalls in diesem Spiegel betrachtet - gab meiner Mutter "Anweisungen", wie sie meine neuen Kleider doch bitteschön "richtig" nähen sollte, als Teenager bewunderte ich mich ganz selbstverliebt von allen Seiten, bevor ich zu einer Party ging ....
So viele Jahre war diese Frisierkommode fester und überaus wichtiger Bestandteil meines Elternhauses. Sie könnte ein ganzes Leben - ja eine ganze Familiensaga - erzählen ...
Die Kommode gehörte zu einem kompletten Ensemble - Bett, Nachttischchen, Kleiderschrank und eben die Frisierkommode. Das wundervoll gemaserte Birkenholz duftet noch heute sehr angenehm. Dieser Geruch ist ganz eng verbunden mit dem Schatz meiner Kindheitserinnerungen.
Wie es in den 50er Jahren so Mode war, gehörte dazu eine gepolsterte Wäschetruhe - hellgrün mit grünen Posamenten - ebensolche hingen an den Schlüsseln der Schranktüren. Und auf der Kommode standen Utensilien aus grünem Kristallglas. 
Vor ein paar Jahren gab es dann ein neues Schlafzimmer und das alte wanderte auf den Dachboden. Schrank, Bett und Nachttischchen sind zu meinen Geschwistern gezogen. Aber die Frisierkommode hatte ich für mich reserviert und letzten Sommer ist sie in die Villa Lilla eingezogen.
Der wertvolle, dreiteilige Kristallspiegel ist nicht mehr so strahlend wie damals, nach fast 60 Jahren ist er stellenweise etwas eingetrübt.
Der leicht bräunliche Streifen, der sich quer über den ganzen Spiegel zieht,  stört auch nicht wirklich.
Die Glas-Abedeckplatte - oh Wunder - 
ist über all die Jahre heil geblieben.
Das schöne grüne Kristallglas-Set gibt es leider nicht mehr.
Nun stehe ich heute wieder vor diesem Spiegel und begutachte meine Anproben. Die Bilder von mir in diesem Blog sind alle vor diesem Spiegel aufgenommen. 
Auch wenn sie Gebrauchsspuren hat - die Griffe blinken nicht mehr, einer wurde im Laufe der Jahre auch mal ausgetauscht - diese Frisierkommode ist für mich mein wertvollstes Einrichtungsstück in meiner Villa - mein längster Wegbegleiter!
Und wenn wir schon mal bei den Fünfzigern sind - die Postkarte, die oben links am Spiegel klemmt,  ist eine meiner Lieblingspostkarten (das Photo wurde zwar im August 1948 aufgenommen, paßt aber trotzdem in diese Zeit). Ich habe die Postkarte ab photographiert, um sie euch zu zeigen. Zu sehen ist Pablo Picasso mit Francoise Gilot. Ich liebe diese Stimmung und vor allem dieses Kleid!!!! Ich würde es gerne einmal nächnähen - vielleicht finde ich ja mal einen passenden Schnitt.
Ein ewig langer Post - aber ein Wegbegleiter über nun fast 57 Jahre hat diese Würdigung verdient!

Kommentare:

  1. ein schönes Stück und schöne Erinnerungen, danke das Du sie mit uns teilst.
    LG Karina

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  2. Wie spannend die Kindheit auf einem Schiff zu verleben. Das ist schon etwas ganz Besonderes.
    Liebe Grüsse
    Katharina

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  3. Welche schöne Erinnerung und wie schön, daß Du gerade die Spiegelkommode haben durftest. Das ist etwas sehr besonderes. Und auch ich kenne bisher noch niemanden, der auf einem Binnenschiff groß geworden ist. Habe allerdings eine tolle Reportage über die Binnenschiffer gesehen. Ich glaube, daß es eine ganz andere Art von Kindheit ist, mit vielen Wechseln und vielen Neuen Eindrücken! Kein Wunder, daß Du einen Blick auf das Wasser haben wolltest!!!!!
    Wie war das mit der Schule? Wie habt ihr das gelöst? Das fand ich nämlich ein eher traurigeres Thema an dem Film, denn die Kinder mußten schon sehr früh in ein Internat?!
    LG Tinki

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  4. habe grade in Erinnerungen geschwelgt.. mein Eltern hatten auch so eine Kommode..ich weiß allerdings nicht genau wo sie abgeblieben ist denn eigentlich sind die meisten Möbel noch da.. ausser dem alten Küchenschrank.. was ich seeehr bedauere..ich finde deinen Blog wunderschön..

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    1. Wie schön, daß Du mich gefunden hast - danke für Deine netten Worte! Vielleicht findest Du die Kommode ja noch.
      Liebe Grüße
      Antje

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